Alles aus dem Bereich ‚Deutsche Tugenden‘

Zum Tag gegen Homo- und Transphobie.

Heute ist internationaler Tag gegen Homo- und Transphobie, bei dem sich auch AWESOME gerne noch beteiligen möchte. Ich bitte deswegen die geneigte heterosexuelle Mitleserinnenschaft sich die, in diesen Worten verlinkten, Fragen für Heterosexuelle durchzulesen und nach besten Wissen und Gewissen zu beantworten. Ihr könnt die Antworten auch für euch behalten. Außerdem bitte noch ein wenig Aufmerksamkeit für den wohl größten Helden mit Schild aller Zeiten:

Are you robot, or are you german?

„Deutschland? Nie wieder!“ M. Dietrich

Heute vor sechsundsechszig Jahren erreichten sowjetische Truppen das Konzentrationslager Auschwitz-Birkenau und setzten zumindest dort dem nationalsozialistischen Vernichtungswahn ein Ende. Bis zur Zerschlagung des Dritten Reichs sollte es noch knapp drei Monate mehr dauern. Für mehrere Millionen Jüdinnen, Sinti und Roma, Kommunistinnen, Homosexuelle oder Widerstandkämpferinnen kam die Besetzung des deutschen Gebietes zu spät, sie hatten den Willen der »Herrenrasse« zur Weltherrschaft mit ihrem Leben bezahlen müssen. Kein Vergeben, kein Vergessen.

Deutscher Herbst

Am Sonntag den 3.10. wird die wiedervereinigte Gedenkrepublik Deutschland wieder einmal das machen was sie am Besten kann, mit viel Aufwand, Brimborium und Ohrenkrebs sich bis zum Erbrechen selber feiern. Wenn Deutsche kotzen, dann ist das erstmal nichts negatives und sollte von allen Menschen, die etwas auf sich halten begrüßt werden, leider kotzen Deutsche grundsätzlich nicht im stillen Kämmerchen sondern auf öffentlichen Plätzen und Straßen, und das mitten ins Gesicht jener, die hier »nicht hingehören« oder Deutschland am Liebsten die Gräten brechen würden. Um diesem kollektiven Kotzanfall vorzubeugen wird der nationalen Selbstvergewisserung (Bier, Bratwurst, Nena) schon am 2.10. mit einer bundesweiten Demo in den Arsch getreten (für Presse und Repressionsbehörden: dies ist eine Metapher). Wie und wann man das am Besten macht lässt sich der Mobilisierungsseite entnehmen.

Weil tanzen zwar keine zwingende Voraussetzung für die Durchführung einer Revolution ist, es aber ganz nett ist wenn man das trotzdem machen kann wird im berliner Club ://about blank eine »antinationale Soirée mit Bumm Bumm, Screenings, Kunst und Anti-Deutschland-Dingdong« stattfinden. Das Ganze in Zusammenarbeit mit der Berliner Gruppe T.O.P. B3rlin, die mit nach Bremen mobilisiert und der die Erlöse der Feierei zu Gute kommen. Das findet statt am 2.10. um dreiundzwanzig Uhr und neunundfünfzig Minuten. Das ://about blank befindet sich am Markgrafendamm 24c, direkt am S-Bahnhof Ostkreuz. See you at the Bassbox.

heilvetica

Deutschland muss sterben. (Am Besten relativ schnell und ohne viel Aufheben um die ganze Sache zu machen, nervt nämlich wirklich.)

Es hätte so schön sein können. Anfang des 20. Jahrhunderts hätte mit dem deutschen Wesen Schluß gemacht werden können und ich müsste mich nicht jeden Tag mehr ärgern, über das mehr werdende Meer von Menschen, die durch die Straßen laufen um der Liebe zu BRD und DFB lauthals und lauttröterisch Ausdruck zu verleihen.

Aber was wäre eine WM, ein Jahr voller Gedenken an die ruhmreiche deutsche Geschichte oder die kollektive Angst vor der Krise ohne Künstlerinnen, die sich verblödet genug zeigen sich vor riesige schwarz-rot-goldene Fahnen zu stellen um »hart und stolz« der Nation ihren Tribut zu zollen? Vermutlich wäre all dies schöner, aber auch unmöglich. Man befindet sich im Land der Dichterinnen und Denkerinnen. Einen erneuten Fall musikalischer Dummheit hat beatpunk aufgetrieben. Bonfire singen, oder vermutlich müsste man es »rocken« nennen die deutsche Nationalhymne. Das Ganze ist so zum Kotzen, das mir die Worte fehlen. Sie sind alle weg.

Ein hämisches Grinsen allerdings konnte und wollte ich mir bei der Schlagzeile »›Auschwitz thief‹ hurt« nicht verkneifen. Und jetzt guck ich endlich mal Inglorious Basterds, das hab ich nämlich noch nicht getan und ich hab gehört da werden Nazis nicht nur verletzt.

An der Bahnsteigkante.

Dieser Beitrag läuft in meinem Notizbuch unter dem Namen Rednerinnenliste. Arbeitstitel sind wichtig um enventuellen Finderinnen den Spaß an der Sache zu verderben. Wer liest schon freiwillig eine Rednerinnenliste?

Wir sind vermutlich die Geschäftsreisenden von morgen. Statt Aktenkoffer – Jutebeutel und Kuriertaschen. Ihr wisst schon diese hippen Dinger.Eigentlich sind wir keine Geschäftsreisenden mehr. Eher prekarisierte, verdrogte und selten mal glücklich Reisende.
Die, die von Zeit zu Zeit mal aussprechen, also zumindest lauter denken, dass wir die klugen Köpfe sind, die über die dumme Herde gepflegt lachen kann. Diese vervolkte Gemeinschaft, manche nennen sie Menschen, gibt sich aber auch nicht allzuviel Mühe ihre Lächerlichkeit zu verbergen oder sie in sympathische Charakterzüge umzuformen.

Ich stehe an einem Bahnsteig in einem Hauptbahnhof. Eine Dilletantin im Planen ihrer Zeit ausnahmsweise mal zu früh, aber dafür so ordentlich. Immerhin nicht nüchtern. Der Bahnsteig ist mit voll ganz nett umschrieben. Rüstige Menschen auf dem Weg ins Nirgendwo. Dieses Nirgendwo ist die Zone oder Berlin. Die Leute, die in die Zone wollen erkennt man an ihre Fahrrädern. Die, die nach Berlin wollen an Verpflegung für zwei Weltkriege und lässig um den Hals geworfenen Kameras und dem unbedingten Willen noch ein Bild mit sich und der Liebsten vor dem Brandenburger Tor zu schießen. Vielleicht sogar mal durchgehen, jetzt wo man sicher sein kann, dass keine rotfaschistischen SED-Folterknechte mehr ihr Unheil treiben. Diese neumodischen Berlinsouvenir-Folterknechte sind ja auch wesentlich sympathischer. Könnte man meinen wenn man nicht klug ist.
Drängelnd stehen sie an den Türen, die ins Glück führen. Also ins miefige IC-Abteil. Einige Türen vergisst der Herdentrieb, konzetriert sie mahnhaft auf die mittleren.

»Hi, ich soll dich von Bärchen grüßen.« Was zur Hölle? »Soso, wo war die denn?« Ende der Aufmerksamkeitsspanne. Ein eindeutig beispielhaftes Gespräch zwischen Schaffnerinnen. Sage ich, das mit bombastischer Sicherheit Verplantheit ausstrahlende Wesen an der Wagenstandsanzeige.

Der Mob hat mittlerweile entdeckt, dass es tatsächlich mehr als zwei Zugänge zu dieser, humanen Maßstäben zumindest nahekommenden, Sardinenbüchse für Renterinnen und solche, die es bald sein wollen gibt.
Als gäbe es etwas umsonst strömen sie nun von den mittleren Türen weg hin zum Ende. Im Laufschritt Marsch! Eine Tätigkeit, die so fesselnd, spannend und befriedigend sein kann, dass irgendjemand nicht nur grinst wie bei der Afterhour. Das wär ja auch nicht genug, in seinem Trachtverschnitt (bayrisch) entfährt im ein Jauchzer der Zufriedenheit.
Wenigstens haben die Wesen Spaß dran dumm zu sein.

Mittlerweile staut es sich an den neu entdeckten Eingängen. Die mittleren liegen vereinsamt da.

»Wir wollen doch nur ein Wochenende weg und schon beschweren die sich!« Zwei Frauen laufen vorbei. Geschätzt zehn Jahre jünger als ihre Gesichter vermuten lassen. Wenigstens. Der Anblick von Sekt entschuldigt. Warum ihre Männer scheiße sind erkläre ich ihnen nicht. Dabei wäre es wohl besser gewesen.

Die Schaffnerin neben mir hat mittlerweile ihr anfängliches sie beinahe nett scheinendes zynisches Lächeln mittlerweile durc pure Genervtheit ersetzt. Das Gespräch mit der Kollegin ist verebbt. Bärchens Reiseroute war anscheinend nicht ergiebig genug.

Nur ein paar Stunden, vermutlich eher Minuten, später sind alle ordentlich verstaut. Die Kapazität der Sardinenbüchse ist auch erreicht, die ersten müssen sich schon mit Stehplätzen zufrieden geben.
Der Zug fährt los. Wie auf einer mittelmäßigen Perlenkette aufgereiht ziehen die vom parasitären Durchschnitt Befallenen an mir vorbei.

Irgendwann kommt der ICE mit Fahrtrichtung Untergand, also Berlin. Warum aus Berlin der Untergang kommt ist eine andere Geschichte.
Das Spektakel fand im falschen Gleisabschnitt statt. Also Herde schauen im ICE. Der Parfumdunst, der einer aus dem Waggon entgegenschlägt wäre geeignet den Modergestank zu übertünschen sollte auch die Hälfte der Teilnehmerinnen dieser Butterfahrt in den Gaza-Streifen Großstadtmoloch nicht überleben. Vielleicht ist er auch genau dafür da.

Ein Bord-Bistro später endlich sitzen. Auf der anderen Seite des Ganges sitzt die Bourgeoisie und liest »Rechtsprobleme des Hochschulsponsorings«. Ich leg mich schlafen.

Wer ist schuld wenn niemand schuld ist? #4

Der vierte Teil meiner allseits beliebten Hasserie »Wer ist schuld wenn niemand schuld ist?« findet sich jetzt auf dem starblog

Nö.

Raus aus der Prokastrination, rein in die Politik.

Residenzpflicht ist überhaupt nicht AWESOME, deswegen bitte ich meine werten Leserinnen die Petition beim Deutschen Bundestag zur Abschaffung ebendieser zu unterzeichnen. Damit ist sicher nichts gegen staatlichen wie zivilgesellschaftlichen Rassismus gesagt, aber das Leben für die Betroffenen ein ganzes Stück leichter gemacht. Ihr seid schon am Registrieren? Ihr seid AWESOME!

Kirche heute

Aktuelles, kontrovers missverstandenes, Cover des endgültigen Satiremagazins.

Eine kleine Abendpolemik

Es ist Abend, Zeit zu jagen,
ich brauch etwas in mein‘ Magen.

K.I.Z. – Tanz

Wo im wirklichen Sommer die Mücken die Pest des Abends sind bemüßigen sich Läuferinnen dies in dem zu sein was der gesamtverblödete Teil der Menschheit Frühsommer nennt. Frühsommer ist eine undefinierbare Zeit, die irgendwann zwischen Januar und Juli anfängt, das hängt von Befindlichkeiten und Variablen ab, die kein Mensch je zusammengefasst hat. Deswegen dürfen auch alle immer vom Frühsommer reden und sich freuen, dass die Sonne sich zu einem Arschloch entwickelt hat, dass dem Winter den Gar aus machen will. Läuferinnen versammeln sich dann überall. Auf Brücken, Straßen, Plätzen sieht man sie. Normalerweise gekleidet in unvorteilhaftesten Klmaotten, die noch jede Speckschwabe beim Auf- und Abwackeln schön akzentuiert. Warum die das tragen wissen sie vermutlich selber nicht, das stand wohl, je nach Geschlecht, in der Freundin oder Men’s Health. Und was die vorgeben, das muss ja Hand und Fuß haben. In ihren speckigen Figuren machen sie sich auf eben jenen Speck wieder loszuwerden. »Deutschland bewegt sich« trötet schließlich schon seit Jahren das öffentlich-rechtliche Verblödungsmedium ZDF in seiner Beruhigungssendung für die Volksseele, der Sportschau. Da macht man doch gleich mit.

Meine Verachtung habe ich aus Versehen mit in die Uni getragen, ich wünsche der Frau in der Bibliothek einen schönen Abend mit Gesichtsausdruck und Stimmlage, die so circa genau das Gegenteil vermuten lassen. Scheint ihr egal zu sein. Besser so. Den Kommilitoninnen, die mir über den Weg laufen auch. Besser so. Sonst würde ich ihnen nochmal ausführlich erklären warum ich sie und das Volk zu dem sie so gerne gehören wollen würden so abgrundtief verabscheue. Dozentinnen begegnen mir nicht. Noch besser so. Nachmittags betrunken durch die Uni zu torkeln kam noch nie gut an. Ich torkel weiter. »Yuppies raus!« hat ein ganz besonders blödes Mensch an die Wand gekritzelt. Ich schaue an mir herab. Die Schuhe sind etwas dreckig aber verdammt teuer, eigentlich alles was ich trage könnte mit dieser Beschreibung erfasst werden. Inklusive meiner Frisur. Noch ein Blick in mein Portemonnaie, 55 Cent, alles klar. Bin wohl ein Yuppie. Seh gut aus und leb trotzdem unter dem was sich die politische Klasse als Armutsgrenze ausdachte. Also muss ich wohl raus hier. Nur wohin? Kreuzberg wäre in der Nähe aber da gibt es nichts was mich gerade faszinieren würde. Nur eine abscheuliche Mischung aus Linken und »hippen« Leuten, die denken ein MacBook wäre alles im Leben. Ist es aber nicht. Sag ich aus Erfahrung.

Schon wieder ein Rotte Läuferinnen, dahinter eine bestehend aus Radfahrerinnen, das kann nicht gut sein. Ich und mein Bier werden auf den äußersten Rand des Gehsteigs gedrängt. Eine Läuferin läuft trotzdem in mein Bier, man war ja damit beschäftigt den infernalisch klingelnden Trotteln auf den Fahrrädern auszuweichen, da ist die Aufmerksamkeit schon mal komplett verbraucht. Ich murmle »Fick dich« und gehe weiter. Eine andere Läuferin guckt mich schockiert an, ich gaffe zurück, sie laufen weiter. Wer will sich schon mit einem stinkenden Yuppie anlegen?
Das Bier ist mittlerweile alle. Also rein in den nächsten Supermarkt. Tasche mit Bier füllen, Milch kaufen, 54 Cent, raus gehen. Mein Barvermögen ist auf ein Cent geschrumpft, dafür habe ich Milch um morgen Früh das nächste Yuppie-Klischee zu erfüllen und Bier um den Abend zwischen all dem Abschaum zu überleben. Ich fühl mich ein wenig wie in diesem »Play«-Film am Anfang. Nur ohne Schwanz und Hartalk. Menschen rempel ich auch nicht an, die Omi darf ungestraft vorbeigehen. Das Wettrüsten, dem sich alle hergeben, würde ich eh verlieren. Man braucht keine Waffen wenn man nach einem Menschen aussieht, den man besser nicht ansprechen sollte. Und eh klar: Frauen werden nicht geschlagen. Nur manchmal. Meistens von ihren Ehemännern. Und mit so was fang ich gar nicht erst an. Könnte ich mir direkt ein Restaurant kaufen, was vielleicht gar keine so schlechte Idee wäre – die Gene meiner Familie neigen wohl zum Kochen können. Vielleicht könnte man damit das mit der Armut mal zur Hölle jagen. Vermutlich nicht. Die Lektüre von zwei Seiten Marx und 30 Seiten Sekundärliteratur hat mir mal verraten, dass das mit der Armut ein strukturelles Problem ist und gar kein persönliches. Klasse hab ich mir gedacht und mich wieder ans prekäre Schuften gemacht.Es gibt zu viele Menschen mit MacBooks. Es gibt zu viele Menschen, die denken nach Berlin ziehen und in Cafés sitzen wäre der Weg zum Sascha Lobo werden. Was die Menschen verkennen: Sascha Lobo gibt es schon. Ich weiß das. Ich will kein Sascha Lobo werden. Ich will auch nicht in Berlin sein um Latte Machiatto zu trinken, ehrlich gesagt hasse ich das Zeug, oder ins Berghain zu gehen. Eigentlich bin ich hier, weil es mir gefällt. Ich mag verranzte Straßenzüge deren Krönung noch verranztere besetzte Häuser sind. Ich mag auch im Sommer auf einer Wiese liegen und plötzlich taucht eine Techno-Party auf. Ich mag nur die Leute nicht, die das heute so als cool erachten mit dieser Party aufzutauchen. Schon wieder ein Läufer, guckt mich komisch an, das Bier ist zu voll um es für ihn zu verschwenden. Das Burschenschaftshaus in 100 Metern ist ein verlockenderen Ziel. Aber es ist zu früh – wer will bei Straftaten schon gerne von Touristinnen photographiert werden? Ich jedenfalls nicht. Ist unvorteilhaft wurde mir in der westdeutschen Provinz in einer Jugendantifa erzählt. Einige der Wenigen Sachen, die tatsächlich einleuchtend sind von dem was man damals so verzapft hat.

Wo bin ich eigentlich? Irgendwo im Moloch, nicht mehr da wo man mich raus haben wollte, weil ich Yuppie bin. Den direkten Weg nach Hause habe ich jedenfalls auch nicht eingeschlagen. Um die Uhrzeit in öffentliche Verkehrsmittel einzusteigen wäre aber auch verherrend. Dann doch lieber den nächsten Pulk Läuferinnen an mir vorbei ziehen lassen, wo waren die eigentlich alle die letzten Monate? Und umdrehen. Also nicht ganz, mehr so 142°. Doch mal nach Hause gegen, gleich kommt die Mädchen-Gang. Die kann man auch so schön hassen. Bier leer. Nächstes Bier voll. Das leere auf dem Fahrradstreifen zerschellen lassen. Mir wird immer erzählt das sei asozial, ich kann damit leben. Die einzigen Fahrradfahrerinnen mit denen ich mich verbunden fühle fahren eh auf der Straße. Up the Bike Punx!